Kinotipp: Midnight in Paris (2011)

Die schönsten Kinoerfahrungen sind vielleicht diejenigen, die sich schwer in Worte fassen lassen. Nach London und Barcelona nun Paris. Woody Allens neueste Europa-Station führt ihn zurück zum Dialoghumor und in die Künstler-Dekadenz der 20er Jahre.

Kinostart: 18.08.2011

Selten weckt die Story allein schon Interesse für einen Woody Allen, anders bei Midnight in Paris: Owen Wilson verirrt sich als amerikanischer Drehbuchschreiber und sehnsüchtiger Romanautor namens Gil in Paris. Nach Mitternacht begegnet er ganz unvermittelt F. Scott Fitzgerald, während Cole Porter am Klavier sitzt. Eine Kneipentour mit F. Scott führt zu Ernest Hemingway, der Gil mit der Muse von Picasso, Braque und Modigliani bekannt macht. Sie verliebt sich kurz darauf unsterblich in den Amerikaner. Dessen Erkundung der 1920er Jahre in Paris steht unter dem unguten Stern der nahenden Hochzeit mit einer in L.A. verwurzelten Blondine, die seine Leidenschaft für die französische Hauptstadt im Regen nicht zu teilen vermag. Der unverbesserliche Romantiker und Nostalgiker lässt sich von seiner ganz eigenen Erfahrung der Traumstadt aber zum Glück nicht abbringen, sein gerade entstehender erster Roman kann von den wertvollen Ratschlägen einer Gertrude Stein auch nur profitieren.

Was Midnight in Paris innerhalb des Werks seines Regisseurs auszeichnet, ist die emphatische Nähe, die dieser zu seiner Hauptfigur einnimmt, der alles andere als der abgeklärte New Yorker ist: Denn Gil sehnt sich nach der Vergangenheit, doch das ist keine scheinbare Flucht vor den Grauen der Gegenwart wie der Professoren-Freund seiner Verlobten allzu eloquent glaubt erkannt zu haben. Nein, er flüchtet nach vorn, er sucht den Rat seiner Idole, er folgt seinem inneren Antrieb, seiner Sehnsucht. Trotz der üblichen Geschwätzigkeit des Drehbuchs und dem offenkundigen Bedürfnis Allens, die Vermittlung jedes Gedankens doppelt und dreifach abzusichern, bleibt der Film in den meisten Momenten leichtfüßig, traumwandlerisch und verspielt zugleich.

Wenn Dalí alias Adrian Brody voller Begeisterung immer wieder vom Rhinozeros spricht und seinen eigenen Namen in die Welt posaunt, vor allem aber wenn Corey Stoll als kongenialer Hemingway in staatstragendem, ganz und gar nicht selbstironischem Tonfall von Mut und Wahrheit parliert, oder vom Gefühl der Unsterblichkeit in den Armen der richtigen Frau, da schleicht sich in die komödiantische Rezeption fast unbemerkt die Freude am aus der Zeit Gefallenen, am Ungewöhnlichen und Unpassenden, auch an der Realisierung des unmöglichen Traumes. Und in welchem Jahrzehnt hätten die Künstler aus den 20ern gerne gelebt? Woody Allens Zeitreise könnte noch lange nicht beendet sein.

Kinostart: 18.08.2011

One comment

  1. Ich fand in so lala..War ganz nett, von den Bildern her und von den Kostümen, aber die Story ging so. Paris bezaubert natürlich total und man hat sofort Lust dort hin zufahren. Aber ich würde sagen, ein netter TV Film oder DVD Film.

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